Das „Fliegen”

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Mehr als eine Bewegungsmeditation aus der hawai’ianischen Körperarbeit

Hintergründe, Bewegung und Wirkung

Das „Fliegen“, eine Bewegungsmeditation aus der hawai’ianischen Körperarbeit, ist eine einfache und doch sehr komplexe Bewegungsabfolge.
Verschiedene Schrittkombinationen werden verbunden mit weichen, fließenden Drehbewegungen von Oberkörper und Armen.

„Fliegen“ – das heisst Aufrichtung und Ausrichtung, die rechte mit der linken Gehirnhälfte verbinden und aktivieren, es bewirkt Koordination, Balance, Stabilität und Flexibilität, Beweglichkeit und Freude. Die gemeinsame Bewegung zu Musik setzt Glückshormone frei, alte und im Körper gespeicherte Schmerzen und Traumata können in Bewegung gebracht und der Mensch in neuer Ausrichtung und Balance stabilisiert werden. Blockierte Energien im Innen und Aussen lösen und wandeln sich in Qualitäten, die dann unserer Entwicklung zur Verfügung stehen.

Das Fliegen kann in jedem Alter und auch unabhängig von Einschränkungen praktiziert werden, alleine oder in der Gruppe, dem „Schwarm“.

Es unterstützt begleitend Menschen in psychotherapeutischen und heilerischen Prozessen. Durch die Bewegung des Fliegens und die damit verbundene bilaterale Stimulation findet eine Synchronisation der beiden Gehirnhälften statt. Das erklärt möglicherweise unter anderem die zu beobachtende aufgehellte Gemütslage und die Verminderung von depressiven und frustrierten Aspekten als Basis für Veränderung.

Somit eignet sich das „Fliegen“ unter anderem, um in der Arbeit mit traumatisch belasteten Menschen, mit Jugendlichen oder Älteren oder auch in sozialen Brennpunkten eingesetzt zu werden, aber auch zur Psychohygiene von Menschen, die therapeutisch oder in sozialen Diensten arbeiten.

Eine wertschätzende, respektvolle Atmosphäre, ein warmer, lebendig und schön gestalteter Raum, Musik, die unterstützend wirkt, all das sind Rahmenbedingungen, die entspanntes Lernen und Bewegen im Innen und Aussen ermöglichen. Wie aus diversen Untersuchungen aus der Lernforschung deutlich hervorgeht, verbessert sich die Effizienz des Lernens durch eine Verknüpfung von Erfahrungen und sensorischen Reizen, insbesondere Empfindungen. Die hawai’ianische Tradition kommt dabei sehr zu Hilfe, arbeitet sie doch mit Bildern, mit Imagination, mit poetischer Sprache und gibt damit Raum für eigene Interpretation.

So entfaltet sich mein Unterricht im „Fliegen“ aus einem Wechsel von bewußter Veränderung, dem Erlernen neuer Schritte und Muster und einem freudvoll-entspannten Einfach-so-Sein, Mitschwingen, im Fluss sein mit dem eigenen Zustand, dem derzeitigen“Können“ und dem, was um uns herum geschieht.

In dieser einfachen und wärmespendenen Umgebung können Körperbilder, die aus Zeiten früher Entwicklungsphasen stammen, aktiviert werden und damit Erinnerungen an vortraumatische Fähigkeiten. Eingefrorene Energie kann wie der Körper und alle Sinne in Bewegung kommen. Die Ermutigung, alle Empfindungen liebevoll einzuhüllen, mit allen körperlichen und gefühlsmässigen Zuständen sein zu dürfen, schafft Raum, Neues zu wagen. So werden die Teilnehmenden ermuntert, alle aufsteigenden Gefühle, Empfindungen und Bilder wahrzunehmen, zuzulassen, zu bewegen und zu beobachten, wie sie sich oft von alleine verändern.

Die Lebensphilosophie der Kahuna-prinzipen aus der hawai’ianischen Naturphilosophie schenkt bildhaftes Verstehen und Lernen:

z.B. „Energie folgt der Aufmerksamkeit“, und wenn wir den Fokus ändern, wird auch die Energie in eine andere Richtung fliessen – körperlich, mental, seelisch. Und wenn wir ein Muster auf der Körperebene verändern, dann wird es sich auch sonst in unserem Leben bewegen. Zum Beispiel: wenn ich mir bei dem Fliegenschritt selbst im Weg stehe und den Schritt leicht verändere, wird körperlich spürbar, dass es leichter geht…

Ich lade immer wieder dazu ein, Themen des alltäglichen Lebens, mit dem die Teilnehmenden beschäftigt sind, zu „befliegen“ und es damit in Bewegung zu bringen. Da sich unser Gehirn über die wiederholte gleichmässige Bewegung ähnlich wie in der Meditation in einem entspannten Zustand befinden kann, kommt es beim Fliegen immer wieder zu ungewöhnlichen Einsichten und Empfindungen.

Im „Schwarm“ zu fliegen, ermöglicht verschiedenste Erfahrungen im Kontakt mit sich selbst und anderen. In der Gemeinschaft und doch ganz bei sich selbst sein, im eigenen Körper, der eigenen Wahrheit von Moment zu Moment zu vertrauen, das sind für viele Menschen neue Erfahrungen. Sich einzureihen in einer Formation und gegebenenfalls auch in einen gemeinsamen Rhythmus oder auch dem ganz eigenen Rhythmus zu folgen, wenn alle anderen anders fliegen – dabei entdeckt man immer wieder die eigenen Muster, kann sie wahrnehmen und damit sein und von dort aus Erweiterungen wagen. Wie fühlt es sich an, einmal nicht im „Beat“ der Musik zu fliegen oder auch anders herum, sich dem Grundrhythmus der Musik einmal hinzugeben…?

Viele gemeinsame Formationen sind möglich und fordern in unterschiedlicher und sehr individueller Weise heraus. Mit jedem Gegenüber fühlt es sich verschieden an: irritierend, unterstützend, manchmal ist es möglich in grossem Gleichklang zu schwingen, das sind dann die Glücksmomente, die es zu geniessen gilt. Und auch in jeder Irritation liegt eine grosse Chance: kann ich in meiner Bewegung und auch in meinem inneren Empfinden stabil bleiben, auch wenn mein Gegenüber wackelt? Kann ich den Augen der anderen für einen Moment oder auch länger begegnen vor dem Hintergrund des Wissens um die Schönheit und Vollständigkeit meiner eigenen und der Seele der anderen? Kann ich Mitgefühl für mich selbst und den anderen empfinden? Und wenn nein, dann „fake it until you make it“ „tu so als ob“!

Mit einem möglichst genauen Kopieren der Art und Weise, wie eine andere fliegt und dabei wahrzunehmen, wie sich das im eigenen Körper anfühlt, bewegen wir uns mit der nonverbalen, vorsprachlichen Weisheit des Körpers, den Spiegelneuronen. Das Mitgefühl wird damit über die Körperebene aktiviert. Dass bei diesen und anderen Aufgaben natürlich genau zu prüfen ist, für welche Teilnehmenden die Herausforderung zu gross ist, versteht sich von selbst. Eigenverantwortung und das Mitgefühl mit sich selbst stehen an oberster Stelle.

Und doch braucht es immer wieder kleine Grenzbalancierungen und Wagnisse, um neuen Bahnungen im Gehirn eine Chance zu geben! So kann das „Fliegen“ über die Wahrnehmung, das Erkennen alter Muster, den Willen zur Veränderung, den Versuch, das Scheitern, das Korrigieren und Üben zu einer fortlaufenden Verfeinerung der Bewegung auf allen Ebenen führen. Im Automatismus des immer wieder Praktizierens können sich die Aktivitäten des Gehirns vom Cortex in den Hirnstamm verlagern und damit die Erweiterungen stabilisiert werden.