DAS „FLIEGEN” – ENTWICKLUNGSSCHRITTE DES HIMMELS

Was läßt sich schreiben und in druckbare Worte fassen über das „Fliegen”, K´ALELE AU, wie es auf hawai´ianisch heißt? Wie in allen alten Kulturen die Traditionen mündlich weitergegeben und durch genaues Wahrnehmen und Nachmachen gelernt wurden, habe ich das Fliegen eher ohne Worte kennengelernt. Im Vordergrund steht die eigene Erfahrung, das eigene Erkennen. So handelt es sich bei diesem Beitrag auch eher um einen Erfahrungsbericht als um ein theoretisches Konstrukt. Bildhafte Worte kreisen ein und lassen Spielraum für eigenes Verstehen, ohne festzulegen. Jede „Wahrheit“ entsteht im Moment in der Person, die fliegt und in der Lehrerin, die den Raum schafft. Ein Schwarm von Fliegenden. Jede bringt sich ein in ihrer Fülle, Kraft und Schönheit, mit allem, was sie in diesem Moment ausmacht. Jede bringt ihren Körper, die Energie in sich und um sich herum in Bewegung. Jede entwickelt sich.

Unser Körper ist im hawai´ianischen Kontext das Kanu, mit dem wir durch unser Leben navigieren. Das „Fliegen” heißt daher auch „Navigatorenschritt“. Es hilft, uns selbst zu erkennen mit allen Mustern, die wir uns im Laufe unseres Lebens zugelegt haben und die sich in unserem Körper abbilden. Das „Fliegen” ermöglicht uns, Schritte über die alten Muster hinaus zu machen, die Grenzen zu erweitern, indem wir unseren Körper in Ausrichtung bringen. So wird möglich, daß wir fließend, mit Balance und Koordination durch die Situationen navigieren, die das Leben für uns bereithält.

Das „Fliegen” ist eine einfache und doch sehr komplexe Bewegungsabfolge. Es geht darum, unser ganzes Sein in Bewegung und Einklang zu bringen. Das ist keinesfalls eine abgehobene Angelegenheit, sondern in allererster Linie ein sehr direkter und bewußter Kontakt unseres Körpers mit der Erde, unserer Füße mit dem Boden. Jeder Schritt hat Gewicht, jede Bewegung strahlt Würde und Grazie und Präsenz. Alles fließt im Einklang und kann in Leichtigkeit über Stunden ausgeführt werden. Der Himmel in uns selbst kommt in Bewegung und erhält die Chance, in seiner Grenzenlosigkeit erkannt zu werden.

„Wenn du dich selbst veränderst und die alten Muster überkreuzt, dann bringst du deine gesamte genetische Linie über Generationen in Bewegung“ sagte Kahu Abraham Kawai´i. Kahu war der letzte hawai´ianische Kahuna seiner Familie, ein Meister, der mit seinem Wissen um die Prinzipien und die Traditionen uns das „Fliegen” zur Verfügung gestellt hat. Er unterrichtete mit seiner Frau Ho´okahi Ho´ulu das „Fliegen” und hat es an viele Schülerinnen und Schüler aus aller Welt weitergegeben. So wurde es Bestandteil der Kahuna- Körperarbeit. Diese im alten Hawai´i ausschließlich von Kahunas praktizierte Körperarbeit arbeitet in den tiefen Schichten und auf allen Ebenen unseres Seins und dient dem Wachstum und der Evolution. Sie wurde früher bei Menschen durchgeführt, die sich in einem Übergang befanden: z.B. wenn ein Mädchen zur Frau wurde oder eine Person eine Aufgabe in der Gemeinschaft übernommen hat. Wir sind mit diesem Körper auf die Welt gekommen, um uns zu erweitern, auszudrücken und letztendlich zu befreien.

Ich selbst praktiziere und unterrichte die hawai´ianische Körperarbeit und das „Fliegen” seit Jahren. Ich bin im Laufe dieser Zeit und meiner eigenen Entwicklung durch viele Blockaden, Schmerzen und Gefühle geflogen. Vieles hat sich dabei gelöst und in die Freude entlassen, alle Gefühle, auch die ungeliebten, können ihren Platz in der großen Familie der Gefühle und Erfahrungen unseres Seins einnehmen. Immer wieder bin ich erstaunt und fasziniert, wie diese Arbeit die Entwicklung beschleunigt und erleichtert.
Wir machen einen Schritt in unsere Kraft, überkreuzen die alten Muster und gehen vorwärts in unser Leben. Wir verschenken uns der Welt und schenken uns die Welten. Wir bringen unser Sein in Bewegung, erkannt oder unerkannt, allein oder im Schwarm. Zum Wohle aller, die vor uns waren und aller, die nach uns kommen werden.

AMAMA

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